zur SPI Startseite Medizinische Rehabilitation Paderborn Medizinische Rehabilitation Gütersloh Berufliche Rehabilitation B.I.G. Ben Wohngruppe für Jugendliche B.I.G. U 19 Wohngruppe für Jugendliche Betreutes Wohnen Paderborn Betreutes Wohnen Gütersloh Tagesstätte Ergotherapie Projektmanagement
Aktuelles und News
SPI-Aktuelles | SPI-Newsletter | Archiv 2010 | Archiv 2009 | Archiv 2008 | Archiv bis 2007
SPI Leitbild
SPI-Porträt
Downloads
Kontakt
Anfahrt
Impressum
Novostart
Gruen-Mobil

14.04.2010 – Auf der Suche nach Lösungen — Hilfe für Kinder psychisch kranker Eltern / Letzter Teil der NW-Serie (von KARL-MARTIN FLÜTER)
Vergrößerung

Es staubt und es ist dreckig, doch das stört niemanden im Werkraum der Erziehungsberatungsstelle in Schloß Neuhaus. Die fünf Kinder feilen mit Hingabe an ihrem Seelenvogel aus Speckstein. Die kleinen Kunstwerke entstehen nach der Kindergeschichte vom Seelenvogel, in der es um die Beziehung jedes einzelnen zu seiner Seele geht - um Gefühle und die Möglichkeit, sie auszudrücken. Sich öffnen können für die eigenen Bedürfnisse: Genau das ist das Thema dieser Kindergruppe, die sich ein Mal in der Woche trifft. Alle Teilnehmer haben Eltern, die psychisch erkrankt sind. In diesen Familien sind die Kinder oft die, die am meisten unter der Situation leiden. Um sie zu unterstützen haben die Caritas-Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche und die Sozialpsychiatrische Initiative Paderborn e.V. (SPI) zusammen die Gruppe ins Leben gerufen.

Vergrößerung

"Wir wollen den Kindern einen Rahmen bieten, in dem sie Kind sein können", sagt Horst Goldscheck, Familientherapeut in der Erziehungsberatungsstelle der Caritas. "Und sie sollen Entlastung finden von der Anstrengung, die ihnen ihre Rolle in den Familien aufbürdet." Dort müssen die Kinder allzu oft die Aufgaben der Erwachsenen übernehmen. Das setzt sie unter Druck und überfordert sie.

Seit einigen Jahren ist in den Blickpunkt gerückt, dass Kinder mit psychisch kranken Eltern die Hauptleidtragenden der prekären familiären Situation sind. Die Sozialpädagogin Ann-Christin Holder, die außerdem in einer SPI-Wohngemeinschaft für psychisch kranke Jugendliche arbeitet, leitet zusammen mit Horst Goldscheck die Gruppe. Sie erlebt immer wieder, warum es wichtig ist, den Kindern so früh wie möglich Auswege und Hilfen zu bieten. "Viele der Bewohner in unserer Jugend-WG kommen aus Familien mit einem oder sogar beiden erkrankten Elternteilen", sagt Ann-Christin Holder.

Die Gruppe ist erst einige Male zusammen gekommen und noch halten sich die Mädchen und Jungen zurück. Zurückhaltung und Anpassung sind die erlernten Verhaltensweisen in der oft angespannten Atmosphäre zu Hause. Jetzt in der Gruppe fällt es ihnen schwer, die Vorsicht fallen zu lassen. Doch mit zunehmendem Vertrauen wird die Gruppe zusammen wachsen. Dann wird es viel leichter möglich sein zu reden. Die eigenen Stärken sollen die Kinder auf diese Weise herausfinden und darüber miteinander sprechen, was ihre Wünsche, aber auch wo ihre Grenzen sind. Fragen, über die alle Kinder in diesem Alter nachdenken.

Vielleicht erzählen sie irgendwann von zu Hause. Und weil alle in der Gruppe zu Hause vergleichbare Erfahrungen gemacht haben, können die Kinder in der Gruppe gemeinsam auf die Suche nach Lösungen gehen. Wo gibt es beispielsweise Hilfe, wenn sie benötigt wird: bei der Großmutter oder bei den Nachbarn? Ein Jahr lang wird die Gruppe dauern und schon jetzt kommen die Mädchen und Jungen gerne. "Das ist das Wichtigste", sagt Ann-Christin Holder. Die Gruppe soll einen Freiraum bieten, in der die Kinder unbeschwert für einige Stunden einfach wieder Kinder sein und mit dem Seelenvogel Spaß haben können.

© 2010 Neue Westfälische
Paderborner Kreiszeitung, Donnerstag 01. April 2010

 
 

© 2006 - 2011 Sozialpsychiatrische Initiative Paderborn e.V. - Letzte Aktualisierung 14.04.2010