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14.04.2010 Auf der Suche nach
Lösungen — Hilfe für Kinder psychisch kranker Eltern / Letzter
Teil der NW-Serie (von KARL-MARTIN FLÜTER)
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Es staubt und es ist dreckig, doch das stört niemanden
im Werkraum der Erziehungsberatungsstelle in Schloß
Neuhaus. Die fünf Kinder feilen mit Hingabe an ihrem
Seelenvogel aus Speckstein. Die kleinen Kunstwerke entstehen
nach der Kindergeschichte vom Seelenvogel, in der es um
die Beziehung jedes einzelnen zu seiner Seele geht - um
Gefühle und die Möglichkeit, sie auszudrücken.
Sich öffnen können für die eigenen Bedürfnisse:
Genau das ist das Thema dieser Kindergruppe, die sich ein
Mal in der Woche trifft. Alle Teilnehmer haben Eltern, die
psychisch erkrankt sind. In diesen Familien sind die Kinder
oft die, die am meisten unter der Situation leiden. Um sie
zu unterstützen haben die Caritas-Beratungsstelle für
Eltern, Kinder und Jugendliche und die Sozialpsychiatrische
Initiative Paderborn e.V. (SPI) zusammen die Gruppe ins
Leben gerufen.
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"Wir wollen den Kindern einen Rahmen bieten, in dem sie
Kind sein können", sagt Horst Goldscheck, Familientherapeut
in der Erziehungsberatungsstelle der Caritas. "Und sie sollen
Entlastung finden von der Anstrengung, die ihnen ihre Rolle in
den Familien aufbürdet." Dort müssen die Kinder
allzu oft die Aufgaben der Erwachsenen übernehmen. Das setzt
sie unter Druck und überfordert sie.
Seit einigen Jahren ist in den Blickpunkt gerückt, dass
Kinder mit psychisch kranken Eltern die Hauptleidtragenden der
prekären familiären Situation sind. Die Sozialpädagogin
Ann-Christin Holder, die außerdem in einer SPI-Wohngemeinschaft
für psychisch kranke Jugendliche arbeitet, leitet zusammen
mit Horst Goldscheck die Gruppe. Sie erlebt immer wieder, warum
es wichtig ist, den Kindern so früh wie möglich Auswege
und Hilfen zu bieten. "Viele der Bewohner in unserer Jugend-WG
kommen aus Familien mit einem oder sogar beiden erkrankten Elternteilen",
sagt Ann-Christin Holder.
Die Gruppe ist erst einige Male zusammen gekommen und noch halten
sich die Mädchen und Jungen zurück. Zurückhaltung
und Anpassung sind die erlernten Verhaltensweisen in der oft angespannten
Atmosphäre zu Hause. Jetzt in der Gruppe fällt es ihnen
schwer, die Vorsicht fallen zu lassen. Doch mit zunehmendem Vertrauen
wird die Gruppe zusammen wachsen. Dann wird es viel leichter möglich
sein zu reden. Die eigenen Stärken sollen die Kinder auf
diese Weise herausfinden und darüber miteinander sprechen,
was ihre Wünsche, aber auch wo ihre Grenzen sind. Fragen,
über die alle Kinder in diesem Alter nachdenken.
Vielleicht erzählen sie irgendwann von zu Hause. Und weil
alle in der Gruppe zu Hause vergleichbare Erfahrungen gemacht
haben, können die Kinder in der Gruppe gemeinsam auf die
Suche nach Lösungen gehen. Wo gibt es beispielsweise Hilfe,
wenn sie benötigt wird: bei der Großmutter oder bei
den Nachbarn? Ein Jahr lang wird die Gruppe dauern und schon jetzt
kommen die Mädchen und Jungen gerne. "Das ist das Wichtigste",
sagt Ann-Christin Holder. Die Gruppe soll einen Freiraum bieten,
in der die Kinder unbeschwert für einige Stunden einfach
wieder Kinder sein und mit dem Seelenvogel Spaß haben können.
© 2010 Neue Westfälische
Paderborner Kreiszeitung, Donnerstag 01. April 2010
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